Freitag, 13. November 2009
November 09 Teil 1
Tag 36: (06.11.09)

Meine Mentorin hat ihren letzten Tag bei CINI Asha und erklärt mir, dass es sie ja total überrascht hat, dass ich erst mein Abi gemacht habe und noch nicht studiert habe.
Ich weiß nicht, ob die Mitarbeiter hier überhaupt kommunizieren??
Das meine Mentorin die ganze Zeit davon ausgegangen ist, dass ich studiert habe schockt mich schon ein bisschen…
Es erklärt aber auch, warum sie so viel von mir verlangt hat (Buchhaltung auf Bengali und Englisch, Ausarbeitung eines Lehrplans in der ersten Woche, bevor ich überhaupt einen Einblick hatte, usw…)
Da sie mir (wohl unabsichtlich) das Leben schwerer gemacht hat anstatt mir zu helfen bin ich ehrlich gesagt nicht allzu traurig, dass sie geht.

- schön: Das Mädchen mit Epilepsie hat heute das erste Mal mit mir gemalt!! Bin ein bisschen stolz…
- lecker: Hatte meinen ersten Masala Dosa (gefüllter, südindischer Fladen) in Kolkata


Tag 35: (05.11.09)

Heute bin ich einfach nur fertig!! Das Mädchen mit Epilepsie hatte einen Anfall und ist mit voller Wucht auf den Steinboden geknallt und hat sich ziemlich schwer am Hinterkopf verletzt.
Wie dieses Mädchen zuckend in einer Blutlache auf dem Boden lag werde ich wohl nie vergessen. Das war echt zuviel.
Zum Glück war heute meine Mitarbeiterin da, die in der Krankenstation Hilfe geholt hat.
Was wäre passiert, wenn ich alleine gewesen wäre und nicht einmal die Info gehabt hätte, dass das Mädchen Epilepsie hat?? Will gar nicht dran denken.

- abends: Wir feiern mit den Engländern ein britisches Fest und grillen Kartoffeln, Bananen und eine selbstgebastelte Puppe


Tag 34: (04.11.09)

Habe heute wieder keine Mitarbeiterin, aber ok. Im Laufe des Vormittags kommt eine Gruppe von Niederländern um sich die Organisation und deren Arbeit anzuschauen.
Für mich ist das eine willkommene Abwechslung und ich bekomme auch noch Zuspruch und Verständnis zu spüren, was wirklich richtig gut tut.
Zwischen Heimweh, Langeweile und Überforderung vergisst man manchmal, warum man das hier eigentlich macht…
Ich erfahre so auch mehr zufällig, dass das Mädchen mit den Brandnarben wahrscheinlich Epilepsie hat. Ich frage mich, warum sagt mir so was keiner??


Tag 33: (03.11.09)

Ich komme heute Morgen auf Arbeit an und erfahre, meine Mitarbeiterin hat einen freien Tag und ihre Vertreterin ist krank. Also arbeite ich heute wohl alleine…
Ist ja nicht so schlimm, aber warum sagt mir denn keiner irgendwas? Keiner kommt um mich zu informieren oder mir Hilfe anzubieten und auf Nachfragen bekommt man immer nur halblebige Antworten, das nervt.
Ansonsten ist der Tag ganz gut, die Kinder sind richtig kreativ, wenn man sie lässt. Ich lasse zum Beispiel die Malsachen etwas länger draußen und die Mädchen bauen aus Wachsmalkreiden kleine Häuser für ihre selbstgemachten Puppen.

- Fazit: Ich fühle mich heute erstmals nützlich!
- blöd: Meine 2 österreichischen Mitbewohnerinnen reisen heute ab. Nie wieder Diskussionen über Marillenknödel und Mohrendatsch…



Tag 32: (02.11.09)

Im short stay home, in dem ich arbeite kommen oft neue Mädchen und es gehen auch öfters welche (nach Hause oder in ein staatliches Heim). Heute kam ein kleines Mädchen an, sie ist etwa 5 Jahre alt.
Ich war wirklich geschockt über ihren Zustand!! Sie trägt noch Windeln und sitzt oder liegt nur herum und spricht kein Wort. Das krasseste ist aber, dass sie überall im Gesicht Wunden hat und ihr linker Arm fast vollständig von einer riesigen Brandnarbe bedeckt ist.
Es ist schlimm sie so zu sehen, denn sie spricht kein einziges Wort und es läuft ihr die ganze Zeit Speichel aus ihrem Mund.

- sehr gut: Hatte heute Zeit mir über Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen!!

Tag 31: (01.11.09)

Die Nacht über hab ich nur gehustet und leider kaum geschlafen. Mein Hals juckt und juckt und egal, wie viel man hustet, es hört nicht auf. Aber man muss husten, da es so juckt…
Habe dann noch vergeblich versucht Hustenbonbons im Supermarkt zu kaufen, aber hier gibt’s noch nicht mal Pfefferminztee!!

-Esse jetzt ständig Frischer-Atem-Bonbons und hoffe auf einen Plazeboeffekt!

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Oktober 09
Tag 30: (31.10.09)

Ich bin das erste Mal wieder etwas länger draußen und das tut gut. Wenn man den ganzen Tag nur im Zimmer ist, überfällt einen das Heimweh mit Macht.

- Erkenntnis des Tages: Ich mag kein Vegetarier mehr sein!!


Tag 29: (30.10.09)

Es geht mir etwas besser, ich fühle mich nicht mehr so überfahren. Beim Treppensteigen merke ich aber, es geht mir immer noch nicht gut…

Liste von Dingen, die ich bisher DRINGEND essen wollte:
- Richtiges Brot, Käse und Salami
- Kalte Saitenwürstle mit Tomatenmark
- Gökele und SchniPoSa
- Ofenkartoffeln mit Zatziki
- Salat, Salat, Salat (hier bedeutet Salat: Zwiebelringe dekoriert mit Gurken-, und Tomatenscheiben an Limettenschnitz)
- Diverse Hackfleischgerichte (Bolognese, Lasagne, Jehacktesbrötchen)
- Nudeln
- Mozarellasticks und Kartoffeltaschen
- Spinat- und „O Sole Mio“-Pizza
- Gute Schokolade und Rhabarberkäsekuchen


Tag 28: (29.10.09)

Bin immer noch krank…

Liste von Krankheiten in unserem Zimmer während des ersten Monats:
- 2x Bed Bugs (das sind Bettwanzen oder so was ähnliches)
- 1x Läuse
- 4x Erkältung
- 2x Typhus (trotz Impfung!!)
- unzählige Magen-Darm-Geschichten
- Heimweh


Tag 27: (28.10.09)

Ich bin jetzt richtig krank und bleibe heute im Bett. Wahnsinn, genau so hab ich mir das hier vorgestellt!! NICHT!!


Tag 26: (27.10.09)

Eines der Mädchen in meiner Gruppe hat heute furchtbar geweint, sie konnte sich kaum beruhigen. Ich habe meine heutige Mitarbeiterin gefragt, was denn los sei und diese sagt mir, dass das Mädchen verheiratet sei und von ihrem Schwiegervater missbraucht wurde.
Die Kleine ist vielleicht 12 Jahre alt!!
Die Mitarbeiterin sagt mir auch noch, dass ich sie ignorieren sollte, da das Fehlen von Tränen ja ein klares Zeichen für Schauspielerei sei.
Kann man sich das vorstellen?? Das Mädchen ist traumatisiert und bekommt statt psychologischer Hilfe und einer Bezugsperson, die sie tröstet nur ein paar Pillen, Gelächter (man hält sie für verrückt) und halb geschriene Befehle.


Tag 25: (26.10.09)

Die Arbeit ist ziemlich langweilig, ich bin heiser, hab Halsweh und kann somit nicht mal beim Karatetraining mitmachen.
Ich fühle mich einfach nur krank.


Tag 24: (25.10.09)

Heute treffen wir uns mit Vera, einer anderen Freiwilligen aus Deutschland. Es tut wirklich gut mal mit jemandem in seinem Alter und dann auch noch auf deutsch austauschen zu können.
Vor allem über starrende oder „Hey sexy chick“-rufende Inder. Sowas geht eben nur mit Mädchen!!
Beeindruckend fand ich, dass sie ohne Organisation hierher gekommen ist und nun Indien auf eigene Faust erkundet. Das könnte ich wirklich nicht!
Nach einem vegetarischen Curry mit Reis (warum schaffe ich hier eigentlich immer nur eine halbe Portion?) laufen wir ein wenig durch Kolkata.
Auf dem Heimweg sehen wir, wie zwei Männer eine Art Zirkus, bestehend aus einem Balancierseil, aufbauen. Daraufhin führen 2 kleine Mädchen (schätzungsweise im Alter von 3 und 8 Jahren) zu Trommelmusik Kunststücke vor.
Verrenkungen, Purzelbäume und Seiltanz (natürlich ohne Sicherheit)
Die ganze Situation ist mir einfach nur unangenehm!!
Während die Männer recht normal und gepflegt aussehen, sind die Mädchen schmutzig, unglücklich und mit zerrissenen Klamotten bekleidet.
Wir können uns wirklich so glücklich schätzen, bei allem was wir haben!!


Tag 23: (24.10.09)

Wir schauen uns heute eine Wohnung an, auf der langen Reise kommen wir durch einen Markt, auf dem life Hühnchen und Fische geschlachtet werden…
Aber das ist hier nicht ungewöhnlich, überall hängen an Ständen auf der Straße halbe Ziegen, Innereien und andere Köstlichkeiten. Bei 30 Grad ist das eine wirklich schonende Garmethode und sowohl die Optik als auch der Geruch sind wirklich….ähm…betörend.
Manchmal ist es ganz einfach vegetarisch zu leben!!
Die Wohnung ist schön, mir gefällt sie recht gut, aber sie ist ziemlich weit von unserer Arbeit entfernt.
Mal schauen, was draus wird.


Tag 22: (23.10.09)

Wie konnte ich eigentlich meine Notfallration Nutella so schnell aufessen??
Ab jetzt bin ich praktisch VERLOREN!!!

Tag 21: (22.10.09)

Lauter lustige Sachen heute:

- Paul sagt: „Ich kann wirklich keine Wäsche waschen! Ich kann die Klamotten nur in einen Eimer kippen und nass machen…“
- Via schreibt: „Ihr dürft keine Früchte abrechnen, da Linsen genug Proteine haben!“
-> Sollte ich an Skorbut erkranken, bekommen die meine Zahnarztrechnung!!!

Tag 20: (21.10.09)

In meinem Abendessen war ein mitgebratenes Insekt. Manchmal ist das, sich vegetarisch ernähren gar nicht so einfach…



Tag 19: (20.10.09)

Den Vormittag verbringen wir mal wieder im F.R.O. , aber nach einigem warten bekommen wir sogar unsere Papiere!!
Auf dem Weg zur Arbeit überkommt mich mal wieder das Heimweh und ich kann mich nicht beherrschen und heule die komplette AJC Boss Road über.
Manchmal wünschte ich wäre nicht so emotional und würde nicht alles so nah an mich herankommen lassen.
Aber andererseits ist es ja einfach nur ein Zeichen dafür, das mir die Leute daheim wirklich was bedeuten. Trotzdem muss ich auch hier lernen glücklich zu sein und darf mich nicht ständig an Zuhause klammern.
Naja, ist alles nicht so einfach, aber man muss immer daran denken, dass die Uhren vorwärts und nicht rückwärts laufen!

-Weisheit des Tages: Ein Jahr ist ein Jahr.


Tag 18: (19.10.09)

Heute können wir unser Registrierungsbüchle im F.R.O. abholen, dachten wir zumindest, denn es hat zu…
Danach folgt ein ganz normaler Arbeitstag. Nur von Paul erfahre ich, dass heute Brother/Sister-Tag ist. Komisch nur, dass das nur die Jungs feiern…
Außer einigen ausgewählten Mädchen, die für die Jungs im Boy Shelter tanzen dürfen, kriegen wir von der Party gar nichts mit.
Tja, es lebe die Gleichberechtigung!!

Tag 16: (17.10.09)

Heute ist Diwali!! Das große Lichterfest!! Darauf habe ich mich schon die letzten Tage gefreut. Doch erstmal gehen wir zur Arbeit, ich muss zwar nicht, aber ich begleite Paul.
Tja, meine Loyalität kennt keine Grenzen…
Wir machen ein bisschen Englisch, spielen und unterhalten uns. Hier ist es chili mili und wir können sogar früher gehen.
Auf dem Heimweg versucht ein Mann Pauls Füße zu küssen und das erste Mal bin ich froh, dass ich als Frau außen vor gelassen werde… Ist das nicht einfach verrückt?
Nachdem wir uns hübsch gemacht haben sind wir bereit auf den Straßen von Kolkata zu feiern!!
Das Problem ist nur, es feiert kein Mensch… Ein paar Jungs lassen einige Kracher los, aber das war es dann auch schon. Einzig die geschmückten Häuser erinnern daran, dass heute ein Festival ist.
Leicht enttäuscht verbringen wir dann den Abend mit Pauls Mitbewohnern im Biergarten (Jaaa, so was gibt’s hier!!).

- Fazit: Kein Vergleich zu Diwali in Delhi!!

Tag 15: (16.10.09)

Von dem ständigen Sitzen auf dem Boden habe ich ziemlich heftige Rückenschmerzen und ich weiß gar nicht mehr, wie ich sitzen soll.
Dumm war auch, dass ich einer Mitarbeiterin von diesem Problem erzählt habe und so wurde ich ins Karatetraining der Mädels geschickt.
Von Karate war nicht viel zu erkennen, sondern es handelte sich hierbei um einen recht eigentümlichen Mix aus Atemübungen und Bauch,Beine,Po-Training.
Doch es hat wirklich geholfen!! Durch die ganzen Schmerzen an allen möglichen anderen Körperstellen spüre ich meinen Rücken nicht mehr so sehr…man muss das einfach immer positiv sehen, gelle?!


Tag 14: (15.10.09)

Ich bin zum ersten Mal glücklich hier!! Denn ich hatte mein erstes Eis am Stil, aufgrund der ständigen Hitze ist das eine echte Wohltat!! Es war übrigens ein Schokoladeneis mit Nüssen und Rosinen. Genau 2 Rosinen habe ich in meinem Eis gefunden und damit ist dann auch das „s“ hinter dem Wort „fruit“ gerechtfertigt…

Tag 13: (14.10.09)

Wow, ich habe heute eine unglaublich innovative Entdeckung gemacht, nämlich das Klo in meiner Arbeitsstelle.
Es handelt sich dabei um eine niedrige Kloschüssel, die an den Seiten verbreitert ist, damit man sich darauf stellen und runterhocken kann. Man kann aber auch eine Klobrille runterklappen, um sich hin zu setzen.
Meine Empfehlung ist aber, das Klo in keinster Weise zu berühren, es ist nämlich ziemlich eklig und außerdem trainiert man so auch noch seine Beinmuskulatur!
Getoppt wird diese Toilette nur noch durch die, der Mädchen, das ganze Zimmer ist nass und stinkt und ich habe keine Ahnung, was hier Klo und was Dusche ist.


Tag 12: (13.10.09)

Es geht mir wieder besser und ich beschließe zur Arbeit zu gehen, sonst werde ich hier noch depressiv!!
Die Arbeit ist richtig anstrengend und es ist ziemlich schwierig den Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen, da auch die Unterschiede groß sind. Manche können nicht einmal das ABC, während andere schon einfache Sätze sprechen. Das größte Problem ist aber die Verständigung, ich kann kaum etwas erklären und meine armseligen pantomimischen Versuche werden ständig falsch gedeutet. Also Spaß macht das hier keinen.
Und aus Angst vor dem Essen, schnabuliere ich von nun an eine Banane und trocken Brot zum Mittagessen. Ist das nicht großartig??


Tag 11: (12.10.09)

Ich bin immer noch krank und kann deshalb auch nicht arbeiten gehen, so habe ich aber Zeit über meinen neuen Freund zu schreiben:
Wir haben uns erst vor kurzem kennen gelernt, ich dachte es wird nur eine kurze Romanze.
Aber falsch gedacht, er ist doch sehr anhänglich… Ich fühle auch schon eine ganze Armee von Schmetterlingen in meinem Bauch, vor allem, da er mich oft an stille Orte entführt.
Durch dezente Hinweise, wie Bananen und Imodium akut habe ich versucht, ihm deutlich zu machen, dass ich Schluss machen möchte.
Mal schauen, ob das gelingt, denn er scheint ein recht hartnäckiger Verehrer zu sein…



Tag 10: (11.10.09)

Wir sind mit Freunden von Pauls Familie verabredet, die in Kolkata Urlaub machen.
Auf dem Weg dorthin sehe ich meinen ersten Toten!! Es ist ein Mann mittleren Alters und er wird auf Blumen gebettet in einem gläsernen Schneewittchensarg durch die Stadt gefahren (das ist hier so üblich!!) Ich weiß gar nicht, wie ich mich dabei fühlen soll, aber in anbetracht von dem ganzen alltäglichen Leid auf den Straßen Indiens sieht er eigentlich recht friedlich aus.
Trotzdem ist es sehr merkwürdig und auch etwas unangenehm, da man in Deutschland kaum so direkt mit dem Tod konfrontiert wird.
Nachdem wir mit Cora und Kai ein für uns noch unbekanntes Stadtviertel erkundet haben, beschließe ich zurück zu kehren, da mir so schlecht und schwindlig ist.
Ich halte nur noch schnell am Internet, denn wenn man krank ist brauch man schließlich ein Stück Zuhause und vor allem seine Mama.
Keine Ahnung, ob das eine gute Idee war, denn jetzt sitze ich heulend im Internetcafe und will einfach nur heim!! Wie bin ich nur darauf gekommen ein Jahr in Indien verbringen zu wollen??
Mir gefällt es überhaupt nicht hier, ich fühle mich kein bisschen wohl und ich vermisse meine Familie, meine Freunde und meinen Schatz!!!
Hätte ich das Geld, ich würde noch heute zurück fliegen.

Tag 9: (10.10.09)

Mir ist wirklich schlecht und ich habe ziemliche Bauchschmerzen!
Egal, man darf sich da jetzt echt nicht hängen lassen und so fahren wir mit Cathy (einer Frau, die ebenfalls im BMS wohnt) zu der ältesten Shoppingmall Kolkatas.
Leider ist die Hälfte der Geschäfte geschlossen und somit wird es ein recht kurzer Ausflug.
Auf dem Heimweg halten wir dann noch beim Shiraz und ich lasse mir eine Egg Roll schmecken.
Das war ein großer Fehler!! Bauchweh….




Tag 8: (09.10.09)

Heute ist mein erster Arbeitstag! Zugegeben, ich bin etwas nervös. Aber die Mädchen sind sehr neugierig und begeistert, da sie wohl alle noch keinen Kontakt zu einer Weißen hatten.
Trotzdem bin ich mal wieder etwas geschockt, da die Mädchen in meiner Gruppe im Alter von 4-15 Jahren sind, wie das wohl funktionieren wird??
Außerdem erfahre ich, dass hier im „Short Stay Home“ manche Mädchen ein paar Monate, andere nur einzelne Tage bleiben werden, was die Arbeit erschweren wird, da man nicht wirklich planen kann.
Den ganzen Tag verbringen wir damit uns näher kennen zu lernen, was durch die Sprachprobleme (ich spreche leider weder Bengali noch Hindi..) nur bedingt funktioniert.
Übrigens sitzt man den ganzen Tag auf dem Boden, was wirklich anstrengend ist.
Auch das Mittagessen wird auf dem Boden eingenommen, aber es macht Spaß mit den Fingern zu essen.
Leider merke ich schon auf dem Heimweg, dass ich das Essen wohl nicht vertrage, ich ahne schlimmes!! Das kann was werden…


Tag 6: (07.10.09)

Es geht los zur deutschen Botschaft, man sagt uns, das sei wichtig falls wir unseren Pass verlieren würden. Nach geringfügigen 2 Stunden Fussmarsch und einem überstandenen Monsunregen kommen wir endlich an.
Nachdem wir auch die Sicherheitskontrollen erfolgreich gemeistert haben treffen wir die erste Deutsche nach einer Woche. Leider ist die einfach nur unfreundlich und kurz angebunden…
Nach 2 Minuten Gespräch ist die einzige Information, die wir bekommen, dass wir das Registrieren doch bitte übers Internet machen sollen.
Zurück geht’s dann mit dem Bus, dieser ist extrem voll und stickig. Mir wird ein Platz angeboten, auf dem leider schon eine Mutter mit Kind sitzt, deswegen auch nur mein halber Hintern platz hat…
Irgendwann ist aber auch dieses Abenteuer zu Ende und ich bin ganz froh wieder im BMS zu sein.


Tag 5: (06.10.09)

Wir müssen erneut in Foreigners Registration Office (F.R.O.), denn wir müssen folgende Dokumente abliefern:
- 4 Passbilder
- Kopie des Passes und des Visums
- Banknachweis
- Residentialproof
- Brief von der deutschen Organisation
- Brief der indischen Organisation
Wir hatten also zutun…

Tag 4: (05.10.09)

Es geht los, heute lerne ich meinen Arbeitsplatz kennen. Erstmal müssen wir aber warten…doch schon bald werden wir ins Besprechungszimmer geführt und warten erneut. Bevor wir mit irgendwem sprechen, wird uns erst einmal ein Film über die Organisation gezeigt. Dann warten wir wieder.
Als wir aber dann durch das Gebäude geführt werden ist es interessant zu sehen, dass oben die Kinder auf dem Boden sitzen und mit 5thhand-Spielzeug spielen, während unten zu dem Film auf der Leinwand im klimatisiertem Raum heißer Kaffee mit Keksen serviert wird. Tja, aber so läufts!!
Die zuständige Dame ist dann auch noch sehr überrascht davon, dass wir ein ganzes Jahr bleiben (Oh, really???) und fragt neugierig, was wir denn arbeiten wollen.
Unsere Muschelhälften passen zusammen, die Frage hab ich mich auch schon gefragt!!
Zur Mittagszeit werden wir entlassen und machen uns auf zu Registrierungsstelle, als Frau wird man hier leider ignoriert und mit Floskeln abgefertigt, schließlich kann man ja froh sein, dass man nicht abgetrieben wurde…
Nach einer Tütennudelsuppe ist die Stimmung endgültig hin…Pah, ich hätte jetzt echt gern ein einfaches Käsebrot!!!
Dank Anu´s Hilfe hab ich jetzt aber eine indische Simkarte…Die Dame von unserer Orga sagte uns zwar, dass das für Ausländer gänzlich IMPOSSIBLE sei (Anscheinend sehen wir aus wie pakistanische Terroristen…Paul muss sich dringend rasieren!!), aber jetzt haben wir eine…hehe…
Zum Abendessen gibt es diesmal auch keine Suppe sondern wir gehen essen. Nach nur einer Stunde finden wir das Restaurant!! Ich weiß nicht, aber irgendwas läuft hier mit den Straßen mächtig verkehrt…

- Fehlende Registrierungspapiere: 6
- Gedanklich ausgeführte, tätlich Angriffe an Registrierungsbeamten: 2
- Instantnudelsuppen: 1





Tag 3: (04.10.09)

Heute ist ein guter Tag, es gibt Cornflakes statt Haferschleim!! Außerdem haben wir ein Internetcafé gefunden (Rs 15 die Stunde). Beim Mailslesen muss ich mal wieder ein Tränchen vergießen, aber was soll man machen als rechte-Gehirnhälfte-Typ??
Es gibt hier sogar einen Laden, der Kuchen, Torten und anderes Gebäck verkauft. Mein knallpinker Erdbeerkuchen schmeckte allerdings nach Kinderzahnpasta, das war nicht so lustig. Toll ist aber, dass sie dort immer Backstreet Boys spielen, hat definit was!!
Nach diesem Geschmackserlebnis fahren wir mit der Tram zum Hooghly River, dort findet man jede Menge Häuser im Stil der Kolonialzeit.
Doch je näher man dem Fluss kommt, desto ärmlicher wird es wieder. Als wir über die Brücke kommen sehen wir den Blumenmarkt, der mit leuchtend bunten Farben beeindruckt!!
Mein Highlight des Tages ist aber auf jeden Fall das Gebäude, das haargenau gleich aussieht, wie der Palast aus dem Dschungelbuch, in dem King Lui wohnt.
Müde von der Fährenfahrt und einem Marsch durch den Dschungel (seltsam, hier warten mitten im Gebüsch jede Menge Frauen und einzelne Männer wandern von der Stadt ein…Handelt es sich hierbei etwa um einen Rotlichtbezirk für Naturliebhaber?) stärke ich mich mit einem Hot Fudge Brownie mit Schokosauce, der entschädigt für alles!!

- Angriffe durch Monsterziegen: 1
- Toter Hund: 1
- Vergebliche Versuche meine Füße sauber zu kriegen: 3







Tag 2: (03.10.09)

Nun ja, vielleicht wird’s auch nicht besser, denn zum Frühstück gibt es Pappmaché, ähh… Porridge mein ich, dazu Zwiebacktoast mit Marmelade und Eiern. Aber um 7:30 Uhr ist man genügsam. Leider wissen wir jetzt nicht, wie es weitergeht, also warten wir hier eben im Aufenthaltsraum, es gibt sogar einen Fernseher, der Menschen mit Hindikenntnissen bestimmt viel Spaß bringt.
Nachdem uns keiner kontaktiert, gehen wir eben mit UV (room mate) essen. Draußen erwartet uns unser erster Monsunregen und nach 10 Minuten sind wir trotz Schirm pitschnass, aber glücklich. Das Essen bei Fresh´n´Juicy ist dann auch sehr gut und meine Stimmung steigt!!
Was andererseits aber schockierend ist, ist der Zustand Kolkatas.
Kaum ein Gebäude ist in einem annehmbaren Zustand und auf den unglaublich dreckigen Straßen liegen überall Hunde und obdachlose Menschen. Ich falle natürlich auf, nicht nur durch die blonden Haare, sondern ich bin auch noch 1-2 Köpfe größer als viele Inder. Die haben dadurch einen optimalen Ausblick und ich schwöre, meinen Brüsten wurde noch nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt…

- Beinahe Unfälle mit Rikshas, Autos, etc.: 12
- Instantnudelpackungen: 1
- Benötigte Blasenpflaster: 4
- Bettelfrauen, die uns verflucht haben: 2





Tag 1: (02.10.09)

Nach einer schier endlosen Flugreise kommen wir endlich an Kolkatas Flughafen an. Nur noch schnell Fieber messen (Hilfe, Schweinekrippe und dann sind die auch noch aus Deutschland…verdächtig!!).
Die ersten Eindrücke folgen sogleich und eines ist schnell klar, mit Winterjacke in Indien rumzudüsen ist keine (!) so gute Idee. Doch Hilfe naht, in Form von Veena (unsere Zuständige) und einem klimatisierten Auto.
In unserer Herberge, der Baptist Mission folgt auch schon die nächste schöne Überraschung!!
Ich wohne mit 5 anderen Mädels in einem Zimmer, aber hey, Privatsphäre wird sowieso überschätzt!!
Nach einer kurzen Pause geht’s weiter ins Boys Shelter, in dem Paul arbeiten wird. Hier gibt es sogar etwas zu essen für uns, ist leider gar nicht mal so lecker.
Dafür werden wir über die Organisation aufgeklärt, die sich um Kinder in Not kümmert und sie zeitweise beherbergt. Dort werden sie auch unterrichtet und es gibt zahlreiche Freizeitangebote. Außerdem betreibt CINI Asha (Child In Need Institut) eine Notfallhotline für Kinder.
Nachdem wir alles gesehen hatten war Zeit für eine kühle Dusche (geht auch nicht anders, hier gibt es kein warmes Wasser…)
An schlafen war leider nicht zu denken, da es hier laut ist und die Propeller an der Decke einen fast umpusten. Aber gell, morgen wird’s besser, bestimmt!!

- Schlafend verbrachte Stunden: 4
- Nicht verstandene englische Wörter: 594






Packliste:

- Klamotten, (wichtig um Schultern, Knie und andere Obszönitäten zu bedecken)
- Jahresvorrat an Tampons (hier gibt es leider keine..)
- Schokolade und Nutella in rauen Mengen!!
- Wasserfeste Schuhe (Achtung, Monsun)
- Weihnachts- und Osterdeko
- Mitbringsel
-…


Namasté

Mein Name ist Svenja und ich werde euch hier exklusiv von meinem Jahr Freiwilligendienst in Kolkata berichten. Zusammen mit Paul werde ich dort im Child In Need Institut arbeiten. Ich habe mich nach meinem Schüleraustausch in Neu Delhi dazu entschlossen, dass ich unbedingt noch einmal nach Indien möchte. Außerdem wollte ich nach der Schule etwas Praktisches machen und dabei Menschen helfen.
So werde ich nun in Kolkata landen und ich bin schon sehr gespannt, was mich dort erwarten wird.
Mit einer Mischung aus Neugier, Freude, Angst und Abenteuerlust ziehe ich los, um an meine Grenzen zu kommen und um sie hoffentlich auch zu überschreiten!!

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